Ranger Urlaub im Greater Krüger – Highlight meines Sabbaticals von Michael H. aus München

Löwengebrüll schallt durch die Nacht. Sie scheinen etwas Großes erlegt zu haben und das nicht weit von der Lodge. Für mich klingt es, als stünden sie direkt vor der Tür. Es ist meine erste Nacht im Krüger Park. Ich lausche gebannt und versuche dennoch zu schlafen. Sollte ich raus müssen, heißt es mit der Taschenlampe ganz genau die Umgebung beobachten, besonders die nahestehenden Bäume. Nicht unbedingt wegen der Löwen, sondern der Leoparden wegen, die sich gerne mal in den Ästen verstecken. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ein kühler Morgen weckt mich, doch die Sonne erwärmt den Tag ziemlich schnell. Die Anderen haben das Brüllen natürlich auch vernommen. Mit Johann, einem sehr erfahrenen Safari-Guide, begeben wir uns auf die Suche. Und nach nur 150 Meter Luftlinie findet er die beiden Männchen unter einem Busch liegen. Sie haben in der Nacht eine Giraffe zur Strecke gebracht. Johann sagt, sie werden bestimmt eine Woche hier bleiben, bei der Menge an Fleisch, die es zu vertilgen gilt.

Meine erste Safari. Aufregung pur. Was werde ich sehen? Mit dem Jeep geht es durchs Gelände. Auf schmalen Wegen durch den Busch. Gut festhalten und aufpassen. Denn hinter jeder Biegung, hinter jeder Abzweigung, könnten wir auf Giraffen, Impalas, Elefanten, Zebras, Büffel, Nashörner, Löwen oder andere Wildtiere stoßen. Auf Grund ihrer Aktivitäten, startet eine Tour früh am Morgen oder am späten Nachmittag vor Sonnenuntergang.

Mein besonderes Highlight ist eine Abend-Safari, mit Übernachtung irgendwo im Busch. Wir fahren durchs Gelände Die Sonne liegt tief über dem Horizont. Johann hält plötzlich an, schaltet den Motor ab. Ein großer Elefantenbulle steht direkt vor uns. Während wir still sitzen, spricht Johann mit sanfter Stimme zu dem Bullen. Er entspannt sich. Bei Elefanten sollte man besonders auf die Bewegungen des Kopfes und des Schwanzes achten, lerne ich. Ein anderes deutliches Signal der Entspannung ist der Kauvorgang. Viele Tiere kauen oder grasen nur dann, wenn sie keine Gefahr wittern. Good Boy, wiederholt Johann. Ich bin beeindruckt, wow! Keine 5 Meter von unserem Auto zupft er friedlich Gras und holt Blätter von den Bäumen. Ihn werden wir noch wiedersehen. Jetzt fahren wir erst einmal weiter. Camping unter freiem Himmel, in einem ausgetrockneten Flussbett.

Als Guide gibt uns Johann wichtige Sicherheitstipps für die Nacht. Gerade in der Dunkelheit nehmen die Aktivitäten bestimmter Tiere enorm zu, sagt er. Hier im Sand ist gibt es unzählige Spuren davon. Elefanten, Giraffen, Leoparden, Löwen und Nashörner lieben diesen Pass. Die erste Aufgabe: Viel Holz sammeln, so dass es für die ganze Nacht reicht. Ohne das schützende Feuer, kann es hier im Busch nicht nur der Raubtiere wegen riskant werden. Skorpione, Spinnen oder Schlangen sind ihnen auf Grund ihres Giftes mindestens genauso ebenbürtig. Doch für den Fall der Fälle tragen Wildhüter natürlich Gewehre.

Unser Campfeuer brennt. Sonst ist es ringsumher dunkel, regelrecht finster. Doch blickt man zum Himmel eröffnet sich eine faszinierende Sternenwelt. Es ist einfach überwältigend! Kein elektrisches Licht, das den Bick auf Millionen Sterne verdeckt. So etwas gibt es nur in der Wildnis. Unbeschreiblich! Diese einmalige Atmosphäre erzeugt in mir eine magische Stimmung.

Es ist das Gefühl zu den Wurzeln zurückzukehren, Natur und Wildnis in sich aufzunehmen. Sinne, die wir sonst in der Hektik des Alltags verkümmern lassen oder vergessen, erwachen hier von neuem. Ich fühle mich sehr wohl. Neben dem Vertrauen in unsere Guides, empfinde ich starke Verbundenheit, ein zurückkehrendes Urvertrauen in eine Natur, deren Teil wir sind. Ich rieche, schmecke, höre und fühle diese wunderbare Wildnis.

 Es ist unglaublich, wie bewusster man auf einmal wahrnimmt und dabei große Dankbarkeit entwickelt. Dankbarkeit für diese einzigartige Welt, verbunden mit dem Bedürfnis all das nachhaltig zu schützen. Hier inmitten der Wildnis versteht man das erst wirklich.

Nach dem Abendessen und spannenden Geschichten am Lagerfeuer, bereiten wir uns aufs Schlafen vor. In Sternenform quartiert sich unsere Gruppe um das Feuer, mit dem Kopf zur Wärme. Ist der Kopf warm, bleibt auch der Körper im Schlafsack warm. Zu Zweit, jeweils für zwei Stunden, wird die ganze Nacht Wache geschoben und Brennholz nachgelegt.

Zudem gesellt sich ein alter Bekannter zu uns. Der große Elefantenbulle, den wir zuvor gesehen haben, hält sich in unmittelbarer Nähe des Lagers auf. Johann sagt, er scheint unsere Anwesenheit zu mögen. Er wird nicht der einzige Besucher bleiben.

Mitten in der Nacht werden wir von den Schritten eines Nashorns geweckt. Es ist von unserer Anwesenheit genauso überrascht, wie wir.

Etwas verschlafen, aber äußerst glücklich wachen wir am nächsten Morgen auf. Wie gerne würde ich das alles wiederholen, denn davon bekommt man nie genug. Einfach ein unvergessliches Erlebnis und bisher das Highlight in meinem Sabbatical.

 Michael (auf Weltreise 2014/2015)

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