Faszination Wüste – Rhino Tracking in Namibia

John mahnt uns ruhig zu bleiben, denn das Spitzmaulnashorn versucht unsere Witterung aufzunehmen. Solange der Wind zu unseren Gunsten weht, bräuchten wir keine Bedenken zu haben. Dennoch sind meine Knie etwas weich, denn das Nashorn ist nur etwa 45 Meter von uns entfernt und es schaute direkt zu uns hinüber, dachte ich jedenfalls.

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Am Vorabend war ich im Desert Rhino Camp in der Palmwag Concession angekommen, nach einer schaukligen Fahrt durch rote Steinwüsten, die nur von kugeligen Sukkulenten und wenigen Akazien mit etwas grün durchzogen werden. Runde Hügel und spitze Berge leuchten rot im Sonnenlicht. Eine völlig unwirkliche und faszinierende Landschaft. Meine Augen konnten gar nicht genug bekommen. Nach einer Stunde Schaukelfahrt blieb Petro plötzlich stehen: “pst horch mal.“ Ich tat wie mir befohlen, konnte aber nichts wahrnehmen. Ich schaute meinen Guide fragend an. Er lachte, „genau das ist es, die absolute Stille. Diese wundersame Stille sollte mich nun drei Tage begleiten.

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Inmitten dieser einsamen Wildnis tauchten in der Ferne die Kuppen von Safarizelten auf. Ich bin begeistert, wie kann man kilometerweit im Niemandsland so eine stilvolle Oase aufbauen? Aber hier strahlt nicht nur die Weihnachtsdekoration, sondern auch die Gesichter der Mitarbeiter. Fröhlich werde ich willkommen geheißen und nach einer Erfrischung geht es gleich auf meine erste Safari in der privaten Concession des Camps.  

Die Landschaft wird im Abendlicht noch skurriler und das Wahrzeichen Namibias, die Oryx Antilope posiert immer wieder für die schönsten Aufnahmen. Zwei Schakale kommen aus Ihrer „Sukkulenten Höhle“, eine Giraffe, ein paar Springblöcke und ein Kudu wandern am Horizont entlang. Wer hier viele Tiere erwartet, wird enttäuscht, denn in den ausgetrockneten Flussbetten gibt es nur wenig Futter. Aber dennoch herrscht auf dem Wagen ehrfürchtiges Schweigen, denn die Gedanken werden von der anmutigen Landschaft in die Ferne gezogen.  

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Abends werden wir mit einem Abendessen in der Wildnis überrascht und am Lagerfeuer gibt es eine erste Einführung von den Trackern des Desert Rhino Trust. Sie werden in aller Früh nach frischen Rhino Spuren suchen. Sobald sie fündig geworden sind, werden wir dazu stoßen und uns mit ihnen auf die Fährte begeben.

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Um 5 Uhr morgens werde ich wach. Die Stille wird von Löwengebrüll durchbrochen. Nun bin ich hellwach und das Abenteuer kann beginnen! Über Funk erhält Johannes unser Guide die ersehnte Info. Es geht los. Über Nacht ist Nebel von der Skeletton Coast hereingezogen, es ist frisch auf dem offenen Wagen und der Tau glitzert in der Morgensonne.

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An einem ausgetrockneten Flussbett werden wir von den Spurenlesern erwartet. Auf dem steinigen Untergrund ist es nicht einfach Spuren zu finden und noch schwieriger zu sagen, ob sie frisch sind, wird uns erklärt. Die Tracker versuchen immer wieder Abdrücke im Sandabschnitten zu finden, denn hier erkennt man besser, ob der Wind die Spuren schon verweht hat und sie von anderen Tieren überlaufen wurden.

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Wir laufen durch die Steinwüste und mit jedem Schritt steigt die Spannung steigt. Uns ist bewusst, dass nicht nur die angriffslustigen Spitzmaulnashörner, sondern auch Löwen in der Nähe sein können. Zu Fuß fühlt man sich näher an der Natur und es ist noch aufregender als auf dem Wagen.

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Und dann das freudige Lächeln und ein Fingerzeig der Tracker. Im wenigen Grün des ausgetrockneten Flussbettes schaut es zu uns herauf – eine Nashornkuh wird uns bestätigt. Natürlich hat uns das Tier längst wahrgenommen. Nashörner sind zwar fast blind, aber dafür funktionieren ihr Gehör und ihr Geruchsinn hervorragend. Wir sprechen im Flüsterton und solange der Wind aus der entgegengesetzten Richtung kommt, sind wir sicher. Das Tier scheint gelassen und wir schleichen uns mit einem kleinen Umweg näher ran.

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Nun stehen wir dem Nashorn direkt gegenüber. Unsere Gruppe steht wie angewurzelt und muxmäuschenstill. Ich spüre mein Adrenalin, auch wenn ich weiß, dass es mich nicht sehen kann. Die Ohren wackeln und die Nase versucht die Witterung aufzunehmen. Wo einst ein prächtiges Horn den Nashornkopf schmückte, thront ein runder Knubbel. Nachdem die Wilderei auf das begehrte Nasenhorn stark zugenommen hatte, hat die Regierung zunächst die Verteilung der Tiere beschlossen und anschließend mit der Enthornung begonnen. Die Tracker bestätigen, dass die Maßnahmen die Wilderei etwas eindämmen konnten.

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Am Effektivsten, so sind sie sich einig, ist immer noch „many feet on the ground“. Je mehr Bewegung durch die Tracker der Stiftung und auch durch die Touristen in der Wildnis stattfindet, umso schwieriger wird es für die Wilderer. Nur gestört fühlen dürfen sich die Tiere nicht, denn Untersuchungen zu Folge bleibt dann der Nachwuchs aus und die grauen Riesen wandern in ruhigere Gegenden.  

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Wir scheinen alle richtig zu machen, denn nach einer Weile verliert No Worries (keine Sorge), wie die Nashorndame genannt wird, das Interesse und legt sich hin. Aufatmen, nun wissen wir, woher der Name rührt. Noch ein paar Nahaufnahmen bevor wir uns von Abenteuerfeeling erfüllt zurückziehen.

„So soll es sein“, bestätigt uns Erik, einer der Tracker vom Desert Rhino Trust, „Nashörner wollen ihre Ruhe und die möchten wir ihnen lassen. Wir freuen uns, dass immer mehr Touristen an unserer Arbeit interessiert sind und uns somit auch finanziell unterstützen, aber wir müssen aufpassen, dass wir unsere Schützlinge nicht vertreiben.“ Seit die Untersuchungen bekannt sind, gehen die Tracker abwechselnd in andere Gebiete, was sich bewährt hat. Ihre Schützlinge erkennen sie sofort. Einigen dürfen wir uns höchstens auf 200 Meter nähern, bevor sie zum Angriff ansetzen. No Worries macht ihrem Namen alle Ehre.

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Bei unserem gemeinsamen Mittagessen bekommen wir dann den kompletten Einblick in die interessante und herausfordernde Arbeit zum Schutz der letzten in Freiheit lebenden Black Rhinos, bei der wir heute aktive dabei waren. Auf der Veranda meines Safarizeltes genieße ich das abenteuerreiche und erfüllende Gefühl mit einem Blick in den Weite

Morgen geht es weiter ins Damaraland und auf die Suche nach den Wüstenelefanten. 

Lust selbst auf die Spuren der Nashörner zu gehen? 

Fragen Sie uns jetzt an, wir teilen unsere Reiseerfahrung gern mit Ihnen.

 

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